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German language in Baltics

The written German language used in the Baltic provinces of the Russia Empire was essentially the same as the standard German language (Hochdeutsch) used in the German states. The spoken language, at the contrary, was different. It is known that it was easy to say what the Baltic province a German speaker came from.

To be honest, this is almost all I could say about the German language in the Baltic provinces. I remember that the peculiarities of this language were studied and described, but at this moment I do not know the references. I can only present a fragment of the memoirs of Ernst von Mensenkampff /Mensenkampff/, that gives some details of German used in Vidzeme [Livland]. E. v. Mensenkampff was born in the Estonian part of Livland, but he lived for rather long period also in the Latvian part of Livland and in Riga city.

His book contains some information about his school years in Fellin (now Viljandi in Estonia), and he informs about the language of his schoolmates. Below the appropriate fragment of his memoirs is presented. It is in German as the original was, and I did not make any attempts to translate it, because it should be of interest only for those who had some knowledge of the language. I think it would be a fun to inform you that in the same chapter the author asserted that his schoolmates had not acquired the usage of German curse words but used the appropriate Estonian vocabulary instead. E. v. Mensenkampff adds that Germans in the Latvian part of Livland did not borrow the appropriate Latvian words, but used their own thesaurus. Unfortunately, he did not explain this behavior, neither could I.

This is Mensenkampff's text in German:


Selbstverständlich hatte Fellin seine eigenständigen Schülerausdrücke und Redewendungen. „Verkracht" (verliebt) sein, hieß „schätzen", d. h. man liebte seine „Flamme" nicht, sondern man „schätzte" sie. In diesem Wort drückte sich die ganze Harmlosigkeit der Beziehungen deutlich aus, denn inbezug auf das weibliche Geschlecht waren wir „reine Toren" und von einem schönen Idealismus beherrscht. Ein völliges Verdam-mungsurteil lag für uns in der Bezeichnung „haariger Kringel", während in „strammer Bobbi" höchste Aner-kennung und Achtung lag. Alles gute war „stramm", alles schlechte: „haarig". Die Redewendung „wott, strammes Aas!" bedeutete also die Bekundung größter Wertschätzung. An Stelle fast aller Tätigkeitsworte konnte man die Ausdrücke „melken" und „juckern" gebrauchen; so hieß es etwa: „Melk (reich) mir mal das Buch her" oder „er melkte (zog) den Schlitten". Unter „juckern" war jede Art von Bewegung zu verstehen. Ausgesprochen grobe Ausdrücke fehlten in unserem Wörterbuch - allerdings wohl nicht aus Gründen zartbesaiteter Tugendhaftigkeit; wir „Oberschichtler" kannten einfach keine derbe Volkssprache und mußten im Bedarfsfalle eine Anleihe bei den Esten machen. Dabei fällt mir nachträglich die Eigentümlichkeit auf, daß das Deutschtum im estnischen Bevölkerungsgebiet nicht selten estnische Redensarten benutzte, um eine saftige Wirkung zu erzielen, während im lettischen Sprachgebiet Livlands keine derartigen Anleihen gemacht wurden. Lehnworte, die zu baltischen „Provinzialismen" geworden waren, gab es dagegen überall.

Es ist übrigens eine feststehende Tatsache, daß die Lehnworte nicht etwa zunahmen, sondern mehr und mehr verschwanden. Überhaupt befanden sich die baltendeutschen Provinzial-Dialekte auf dem Aussterbeetat: immer seltner hörte man sie unverfälscht sprechen. Vor einem halben Jahrhundert noch war die Mundart Allgemeingut, heute dagegen fällt sie auf. Nur Rhythmus und Klangfarbe haben sich einigermaßen erhalten, erkennbar für das geübte Ohr. Der Binnendeutsche dagegen wird in der Sprechweise der Balten aus verschiedenen Gegenden kaum einen Unterschied wahrnehmen. In Fellin gab es damals Schüler aus Livland, Ösel, Estland und Kurland, die sich im Gebrauch ihrer deutschen Muttersprache bereits stark angeglichen und vereinheitlicht hatten. Kamen dagegen die Eltern zum Besuch, so war der Unterschied in der Mundart ganz unverkennbar. Die Estländer sprachen breit und etwa mit dem gleichen Akzent oder Tonfall, der die schwedischen Finnländer von den Reichsschweden unterscheidet. Noch bedeutend stärker trat die Einwirkung des Estnischen auf die Sprachfärbung bei den Ösulanern in Erscheinung. Leider entzieht sich dieser besonders breite, weiche und gedehnte Dialekt der phonetischen Wiedergabe. In der ganzen nördlichen Hälfte der Ostseeprovinzen sagte man „Maar" anstatt Meer, „Schääre" anstatt Schere, „wäär" anstatt wer, und je ungebildeter der Sprecher war, um so häufiger verwechselte er die harten und weichen Konsonanten. Ein Kennwort für den Ur-Estländer ist „Fäärd" anstatt Pferd. Die Südlivländer nahmen für sich die Ehre in Anspruch, das reinste Baltisch-Hochdeutsch zu sprechen - natürlich mit dem rollenden „r" und unter Betonung des Unterschiedes zwischen „ei" und „ai", zwischen „eu" und „oi". Sehr spaßhaft klang für unser Ohr das alte, heute fast ausgestorbene „Kurisch", d. h. die Mundart der Kurländer. Der Buchstabe „o" wurde wie ein dumpfes „oo" ausgesprochen, doch ganz besonders typisch und unverkennbar war die Aussprache des Buchstaben „k" vor e, i und den Umlauten: am besten ist der Laut mit „tj" wiederzugeben. Man sagte also „Gurtje" und „Britje" anstatt Gurke und Brücke. Die Umlaute wurden - in Kurland, wie ganz besonders auch in Riga - oft nachlässig behandelt, so daß „ü" wie „i" und „ö" wie „e" klang. Dazu war die Sprache nicht breit wie im Norden, sondern abgehackt, stark betont und hastig. Das „l" des Rigensers läßt sich nicht wiedergeben, es wird „mit vollem Munde" gesprochen. Ganz allgemein galt für die Baltendeutschen die Ersetzung des „g" vor e, i und den Umlauten durch „j" und diese Eigentümlichkeit - die wir mit der schwedischen Sprache gemeinsam hatten - hat sich bis auf den heutigen Tag zäh erhalten. Meine liebe Mutter sprach durchaus baltisch, konnte es aber nicht über sich gewinnen, „Joethe" und „Jeist" zu sagen. In diesen beiden Worten - so empfand sie - müße man den Buchstaben „g" rein aussprechen. In komischer Weise kennzeichnend für die Balten war auch der Mißbrauch, der mit dem Ausruf „Pfui" getrieben wurde. So sagte man z. B. zu einem lieben Gast: „Pfui wie nett, daß Sie uns besuchen!" -

 

Comments © Bruno Martuzâns. 2001-2002