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zieds1mazs.gif (257 bytes) Colonization of Siberia 1800

The document presented in this Page informed all manor owners of Vidzeme [Livland] about the colonization of Siberia regions near the China border. The Tzar needed human resources for this colonization, and therefore He proposed that the manor owners delivered some serfs for settling in the regions of Siberia. The serfs moved to Siberia would be counted in the quota of recruits that any manor was obliged to deliver. As the serfs for Siberia had less market value than the recruits - for example, the colonists could be women, in general this was a rather profitable deal for manor owners.

I am not planning to translate the document in English in its full extent, but I hope to discuss it in more details here later when some other documents on the terms for the settlers in free lands of the Empire will be ready for publishing. It seems that the system of the colonization of Siberia and of other remote regions of the Empire was similar also later when free peasants moved to these regions and settled there.

I do not know what the effect of this document was - how many serfs were moved from Vidzeme [Livland] or Kurzeme [Kurland] to Siberia. It is known, however, that the colonization was not very successful at this time. Nevertheless, I think that some Latvian peasants migrated to Siberia as the result of this order. If so, these could be the first Latvian settlers in Siberia. It is usually asserted that the first Latvian settlers were exiled to Siberia in 1804 after well-known peasant disturbances in Kauguri.

The text of the order in German:

Befehl
Seiner Kaiserlichen Majestät,
des Selbstherrschers aller Reußen,
aus der Liefländischen Gouvernements-Regierung,
zur jedermänniglicher Wissenschaft.

Der vom dirigirenden Senat publicirte namentliche Allerhöchste Befehl Seiner Kayserlichen Majestät vom 17ten October 1799, betreffend die Einrichtung neuer Kolonien in den an China grenzenden Gegenden Sibiriens, wird desmittels auch von der Liefländischen Gouvernements-Regierung, in der davon veranstalteten beygefügten teutschen Übersetzung, zu jedermänniglicher Wissenschaft bekannt gemacht. Riga-Schloß, am 26sten April, 1800.

(L.S.) C.A. von Richter.
G.Schwartz. A.Karomalyn.

Secretair J.C.Lenz

 


Uebersetzung

Befehl
Seiner Kayserlichen Majestät,
des Selbstherrschers aller Reußen,
aus dem dirigirenden Senat,
zur jedermänniglichen Wissenschaft.

In dem Allerhöchsten namentlichen Befehl Seiner Kayserlichen Majestät, welcher dem Senat am 17ten des abgewichenen October-Monats mit Allerhöchshsteigenhändiger Unterschrift ertheilt worden, ist enthalten: „Da Wir mit unermüdeter Aufmerksamkeit alle Gegenden Unsers ausgedehnten Reichs betrachten und alle Mittel zur Erreichung desjenigen aufsuchen, was zum Ruhm und Besten besselben dienen kann; so nehmen Wir wahr, daß der südliche Theil von Sibirien, welcher an China gränzt und von der Natur, sowol mit fruchtbaren Ländereyen, als auch mit einem gemäßigten Klima begabt ist, so wenig bevölkert ist, daß er dem Reiche nicht so vielen Vortheil bringt, als es von demselben wohl erhalten müßte. Nicht allein der Ackerbau kann dort mit dem besten Erfolg betrieben werden, sondern es können auch mit der Zeit, nach der außerordentlichen Anlage desselben zur Viehzucht, und nach der Menge und Güte der Viehweiden zu urtheilen, dort Tuch- und Juft-Fabriken zur besten Beförderung des Chinesischen Handels angelegt werden, bey welchem das Tuch und die Juften, als die vornehmsten Waaren, welche nach diesem Lande verführt werden, anzusehen sind. In Erwähgung dessen haben Wir für gut befunden, den Grund zu einer vorgeschlagenen Kolonie auf folgende Art vestzusetzen:

1mo) „Zum ersten Anfang sollen bis 10,000 Seelen dorthin versetzt werden, ohne genau zu bestimmen, binnen wie viel Jahren eine solche Ansiedelung zu Stande gebracht werden soll, sondern nach Maaßgabe der hierzu vorhandenen Anzahl Menschen und nach den Gemächlichkeiten, welche von der dortigen Direction auf dem diesen Kolonien anzuweisenden Lande vorbereitet werden können. Diese Ansiedelung soll vom September des künftigen 1800sten Jahres ihren Anfang nehmen, um bis dahin alle dazu nöthige Anordnungen treffen zu können, welche wegen der Ausgedehntheit des Terrains eine geraume Zeit erfordern."

2do) „Zu dieser Ansiedelung sollen verabschiedete, von der Militair-Commanden dorthin bestimmte Soldaten gebraucht, und diese nachher Reichs-Kolonisten genannt werden."

3tio) „Ueberdem befehlen wir, die Verbrecher, welche für ihre Verbrechen nicht zu Bau-Arbeiten, sondern blos zur Verweisung verurtheiilt werden, dorthin zur Ansiedelung zu schicken, jedoch sie nicht Reichs-Kolonisten, sondern Verwiesene zu nennen, indessen aber ihnen doch dadurch Mittel zur Verbesserung ihres Zustandes zu geben, daß jeder derselben, welcher dort zehn Jahr ordentlich lebt, sich durch Fleiß im Ackerbau auszeichnet, dieses auch durch gute Fortschritte in der Landwirthschaft beweiset, auf Zeugniß der Land-Obrigkeit aus einem Verwiesenen zum Reichs-Kolonisten erhoben werde."

4to) „Den Guts-Herren erlauben Wir allergnädigst, ihre nicht älter als 40-jährige Leibeigene, und ohne Männer von Weibern zu trennen, auf Abschlag der Rekrutirung nach der Kolonie abzugeben. Solche abzugebende müssen in der Gouvernements-Städten empfangen, und sie daselbst, bis sie zu zehn anwachsen, nach den Häven transportirt werden, um sie von dort weiter fortzubringen."

5to) „Der Gouvernements-Regierung von Irkutsk befehlen Wir, nach angestellter Untersuchung die schicklichsten Orte zwischen dem Baikal, der obern Angara, Nertschinsk und Kiachta anzuweisen, hiezu die allerfruchtbarsten Orte, welche an allen für die Kolonisten nöthigen Vortheilen einen Überfluß haben, auszusuchen, und auf jeden Kopf zu 30 Dessätinen Land zu bestimmen, so daß das angewiesene Land nicht blos zum Ackerbau, sondern auch zur Viehweide hinreiche. Jedoch müssen bey dieser Anweisung weder die zwischen Udinsk uns Tschetinsk befindlichen Strecken Landes, wenn sie von den Buralischen Chorinzen bewohnt seyn sollten, noch andere Orte, welche etwa andere Nomadische Völkerschaften inne haben mögten, mit begriffen werden."

6to) „Die Kolonien so zu verlegen, daß auf einem Orte nicht mehr als 100 Häuser seyn dürfen."

7mo) „Die Kolonien, in welchen Verwiesene wohnen werden, so einzutheilen, daß sie hinter der Reichs-Kolonisten zu liegen kommen, zu verstehn, von der Grenze abgerechnet, und wenn es möglich seyn wird, sie zwischen den von Reichs-Kolonisten besetzten Kolonien zu verlegen."

8vo) „Zum Anfang für 2000 Köpfe an den zu bestimmenden Pflanz-Orten auf Kosten der Krone Häuser aufzubauen, auf anderthalb Jahre Getraide anzuschaffen und die zum Ackerbau und für die Kolonisten nöthigen Geräthschaften zu besorgen, desgleichen sie zur Anlage mit nöthigem Vieh und Aussaat zu versehen. Wie viel und was nöthig ist, darüber hat der Senat sich zeitig durch die dortige Gouvernements-Regierung zu unterrichten, besonders da bis zum 1sten September des künftigen Jahres für die ersten 2000 Köpfe schon alles in Bereitschaft seyn muß."

9no) „Für diejenigen aber, welche von Guts-Herren abgegeben werden, (weil sie auf Abschlag der Rekrutierung gerechnet werden, obgleich viele von denselben freylich zu Rekruten nicht angenommen werden könnten) von den Guts-Herren auf ein Jahr Unterhalt und Proviant, nebst den bey den Rekruten gewöhnlichen Kleidungsstücken zu nehmen."

10mo) „Wenn die ersten 2000 werden angesiedelt seyn; so müssen sie bey freyen Stunden von der Feldarbeit, für die auf das künftige Jahr ankommenden Kolonisten Häuser aufbauen und deswegen muß die erste Ansiedelung so verlegt werden, daß sich an jedem zur Ansiedelung bestimmten Orte nicht mehr als 20 Häuser befinden, damit sie, ohne sich von ihren Häusern entfernen zu dürfen, für die aufs künftige Jahr zu erwartenden Kolonisten den Bau bewerkstelligen können."

11mo) „Nach einer solchen Einrichtung wird jährlich die mögliche Anzahl Menschen dorthin verschickt werden, und die Gouvernements-Regierung hat auf alle mögliche Art und Weise zu sorgen, daß die ankommenden Kolonisten alles bestimmte vorfinden."

12mo) „Es ist unumgänglich nöthig, daß bis diese Kolonien sich vollkommen einwurzeln, von der Gouvernements-Regierung treue, sorgfältige und in der Landwirtschaft erfahrne Aufseher angestellt werden."

13mo) „Ein jeder angekommene Kolonist ist zehn Jahre von allen Abgaben befreyt, und die Soldaten sollen es mit eben dergleichen Kolonisten an andern Orten gleich haben."

14mo) „Dabey wird indessen festgesetzt, nicht als Abgabe, sondern zum allgemeinen Nutzen dieser Gegend und besonders der Neuankommenden, von jeder Seele ein Tschetwerick Korn, von der ersten Erndte abgerechnet, ins Magazin einzufordern und dem Senat die Anordnung darüber zu überlassen, ob diese Einforderung gemahlen oder ungemahlen geschehen soll. Da Wir auf solche Art die Haupt-Grundlage zu dieser Kolonie gelegt haben, so wollen Wir, daß der Senat hiemit übereinstimmend nicht allein jetzt, sondern auch in Zukunft, wärend der ganzen Zeit dieser Ansiedelung, nach vorfallenden Umständen die gehörige Anordnungen treffen und sich sorgfältig bemühen, daß die an den bestimmten Orten ankommenden Kolonisten nicht nur an keinem ihrer Bedürfnisse Mangel leiden, sondern auch der Absicht gemäß behandelt werden, zu welcher man sie ansiedelt, auch von allen hierin gemachten Fortschritten Uns von Zeit zu Zeit Bericht abgestattet werde." Der dirigirende Senat hat hierauf Befohlen: Diesen Allerhöchsten Befehl Seiner Kayserlichen Majestät zu jedermänniglicher Wissenschaft bekannt zu machen; gleich wie solches geschieht.

Das Original ist vom dirigirenden Senat unterschrieben.

Gedruckt zu St. Petersburg im Senat den 4.Novbr. 1799.

Uebersetzt von A.Norring, Regierungs-Translateur. 

 

 

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